Aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde St. Blasien
Das evangelische Leben in St. Blasien beginnt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Kirchenbücher datieren ab 1864. Damals gab es lediglich 50 Gemeindeglieder und Gottesdienst war nur einmal im Jahr.
Im Visitationsprotokoll vom 30. Oktober 1877 heißt es: „… daß… die kirchlichen Verhältnisse der Ev. Genossenschaft St. Blasien …. wohl geordnet sind.“
Ab 1891 wohnt ständig ein evangelischer „Pastorations-Geistlicher“ am Ort. Die Gemeinde wächst und im Jahr 1900 gibt es 207 Evangelische in St. Blasien und 60 in der Umgebung. Nach der Volkszählung 1910 steigt die Zahl der Gemeindeglieder in St. Blasien und Umgebung auf 356. Gottesdienste finden jetzt jeden dritten Sonntag im Monat statt.
Im Jahr 1920, nachdem der bisherige „Betsaal“ in der ehemaligen Spinnerei der Familie Krafft der „Kirchengemeinde“ zwecks Gründung des heutigen Kollegs gekündigt wurde, wuchs der Wunsch nach einer eigenen Kirche und über 10 Jahre wurden jährlich Eingaben an den Evang. Oberkirchenrat gerichtet. Erst im Juni 1933 erteilt das Staatsministerium dem Evang. Oberkirchenrat mit Wirkung zum 1. April 1934 die Genehmigung, die Diasporagemeinde offiziell zur Evang. Kirchengemeinde St. Blasien zu erheben, was auch finanzielle Vorteile mit sich brachte.
Mit der Einführung des ersten Pfarrers Maurus Gerner-Beuerle im Juni 1934 finden schließlich an jedem Sonn- und Feiertag Gottesdienste im neu erworbenen Pfarrhaus statt. Nun beginnt auch die Frage nach Standort und Finanzierung einer Kirche und im Juni 1936 konnte die Grundsteinlegung am heutigen Ort stattfinden.
Die Christuskirche St. Blasien ist der erste Kirchbau im Gemeindegebiet. Der Architekt, Professor Dr. Otto Bartning, wurde später zum bekanntesten evangelischen Kirchenbauer unseres Jahrhunderts in Deutschland. Was sollte entstehen? Ein monumentaler evangelischer Kirchenbau wäre neben dem Dom geschmacklos. Bartning, selbst aus dem Schwarzwald stammend, entwirft in sicheren Zügen eine Kirche, die sich so weit wie möglich an das Schwarzwälder Bauernhaus anlehnt. So entsteht die evangelische Schwarzwaldholzkirche, heute ein Begriff in weiten Landen und Ziel vieler Besucher. Ihr Name: Christuskirche.
Einweihung: 13. 12. 1936. Bartning zur Bauidee: "Bei allen Wanderungen im südlichen Schwarzwald, als Kind, als Mann und schließlich mit meinen Kindern, hat mir das hohe und zugleich breite, dem Wind und Schnee, dem Berghang und der Sonne sich fügende und zugleich entgegenstemmende Dach der Schwarzwaldhöfe den tiefsten Eindruck gemacht".
Der Einzugsbereich umfasste damals die Orte
Bernau, Ibach, St. Blasien mit Albtal und Menzenschwand,
Urberg, Wilfingen, Wittenschwand, Wolpadingen (heute zusammengefasst als Gemeinde „Dachsberg“)
Amrigschwand, Häusern, Höchenschwand Tiefenhäusern (heute eigenständig als Ev. Kirchengemeinde Häusern-Höchenschwand), , sowie Schluchsee, Faulenfürst und Blasiwald (heute eigenständig als Ev. Kirchengemeinde Lenzkirch-Schluchsee).
Bis heute ist die evang. Kirchengemeinde St. Blasien eine Flächengemeinde.
Der Kirchenbrand im November 1989
Der 20. November 1989 wird als Schreckensdatum in die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde St. Blasien eingehen. Gegen 06:20 Uhr schlugen Feuerflammen durch das Kirchendach; die Feuerwehr konnte nichts mehr unternehmen, die Kirche brannte völlig nieder.
Groß war die Betroffenheit in der gesamten Bevölkerung. Noch am gleichen Abend fasste der Kirchengemeinderat unter Vorsitz von Pfarrer Dr. Becker den Entschluss, die Christuskirche nach den gleichen Plänen wiederaufzubauen. Im Juni 1990 fand die Grundsteinlegung statt. Am 7. Juli 1991 konnte die wiederaufgebaute Christuskirche durch Landesbischof Prof. Klaus Engelhandt eingeweiht werden. Der 7. Juli war ein Freudentag. Viele haben durch Spenden mitgeholfen, dass die Kirche wieder neu gebaut wurde. Im August 1992 wurde dann die neue Orgel eingeweiht, die von der Orgelbaufirma Vier aus Lahr gebaut wurde.
Unter dem hohen Dach der Kirche erstreckt sich der Innenraum in stützenfreier Holzkonstruktion. Tannen Pfosten und lärchene Verschalungen bilden die Wände; Heraklit isoliert dahinter gegen Kälte und Hitze. Das Gestühl aus rötlicher Lärche, Kanzel und Altar aus Nussbaumblöcken und -bohlen sowie die ganz der Architektur eingefügte Orgel füllen den klaren Raum. Die U-Form der Sitzordnung bewirkt eine spürbare persönliche Nähe der Gottesdienstbesucher zueinander. Kanzel und Orgel stehen gleich hoch. Schwere Schnee- und Eislasten haben die Konstruktion nun in Jahrzehnten "getestet". Auch hier erwies sich die vorzügliche Eignung und Dauerhaftigkeit der Schwarzwälder Holzkonstruktionen für hiesige Wetterbedingungen. Die bergende und behausende Kraft der Schwarzwaldhäuser wird gerade auch in der Christuskirche spürbar.
Seit November 1999 hängt das von Jens und Friederike Hogh-Binder geschaffene "Offene Kreuz" in der Christuskirche St. Blasien. Folgende Gedanken prägen dieses Kreuz:
eine FORM,
deren zwei Teile in ihrer Grösse auf das menschliche Mass verweisen.
eine BEGEGNUNG,
zweier Teile, die im Äusseren ein Kreuz bilden, die sich aber nicht überschneiden oder berühren.
ein ZEICHEN
der Erneuerung und der Kraft, die aus der lebendigen, unzerstörbaren Mitte kommt.
ein SICHTBARWERDEN
der Gegensätze: hell - dunkel, glatt - rauh, fein - grob, offen - verschlossen
Unsere Gemeinde freut sich sehr, dass seit Mai 2011 das Kreuzigungs-Triptychon von Ulrich Christoph Eipper in unserer Christuskirche hängt. Im Gottesdienst am 1. Mai 2011 wurde es in einem feierlichen Gottesdienst in Anwesenheit der Frau des verstorbenen Künstlers der Gemeinde vorgestellt.
Der heimische Künstler Rudi Lederer, der auch Altar und Kreuz der Wittenschwander Kapelle geschnitzt hat, hat auch den Ständer für die Taufschale in unserer Christuskirche gestaltet. Die drei Seiten symbolisieren die Dreieinigkeit: Gott-Vater, Jesus Christus-der Sohn, und Gott-der Heilige Geist.
Hinter dem großen Dom in St. Blasien finden manche Besucher unsere kleine Christuskirche gar nicht. Damit man aber gleich sieht, dass hier eine Kirche ist, hat uns 2010 eine der evangelischen Gemeinde wohl gesonnene Spenderin ein schlichtes Holzkreuz gestiftet, das nun vor der Christuskirche steht. So kann diese von Besuchern besser gefunden werden.
Die Andreaskapelle in Wittenschwand (1620-1630)
1952 wird die Andreaskapelle in Wittenschwand erworben. Über der Eingangstür steht die Jahreszahl 1727. Die Erzdiözese Freiburg teilt mit (8. Januar 1985): .,Die Quellen des Erzbischöflichen Archivs sagen über die Baugeschichte der Kapelle in Wittenschwand nichts aus, 1727 wurde sie wahrscheinlich renoviert." Matthäus Morath, Ibach bei St. Blasien, 1969, schreibt (S. 165f.): "Zur Heimatgeschichte von Wittenschwand gehört auch die Geschichte seiner alten Kapelle ... Nach Angabe des Realschematismus für die Erzdiözese Freiburg ist die alte Kapelle in Wittenschwand erbaut um das Jahr 1630'. Sie ist dem hl. Jodocus geweiht. Der hl. Jodocus ist Patron gegen die Pest und für die Siechenheime. Nun herrschte aber zu jener Zeit in unserer Gegend die Pest. In St. Blasien war sie im Jahre 1622. Auf dem Hotzenwald wütete sie im Jahre 1628. Am 10. 5. 1954 schrieb Baurat Bosch an das Pfarramt Ibach: Bei nochmaligem Ankehren in Wittenschwand haben wir festgestellt, daß das Altärchen doch ein originales Stück um die Zeit von 1620 bis 1630 ist' Es ist hier die Rede vom alten Altar in der Jodocuskapelle ... Es ist darum höchstwahrscheinlich, daß die alte Kapelle in Wittenschwand im Zusammenhang mit der Pest erbaut worden ist in der Zeit zwischen 1620 und 1630. Vielleicht hat die Sippe der Behringer ... oder die ganze Gemeinde ... den Bau der Kapelle gelobt, wenn sie von der Pest verschont bleiben!'
In der Grundsteinurkunde (22. August 1948) für den Neubau einer größeren katholischen Kapelle in Wittenschwand heißt es: "... Als zweiter Patron soll der heilige Jodocus von der ersten Kapelle auf die zweite übernommen werden" So wird das Kirchlein zur Andreaskapelle. Die denkmalpflegerische Gesamtrenovierung bringt dem Zeitgenossen altehrwürdige Bau- und Ornamentsubstanz als Geschenk in die Gegenwart (36 Plätze).
Die Andreaskapelle wurde Ende der 80er Jahre innen und außen grundlegend restauriert.
Der neue Altar und das Kreuz wurden von Rudi Martin Lederer geschaffen. An den Ecken des Altares hat der Künstler jeweils ein Symbol für einen der vier Evangelisten angebracht :
Engel - Matthäus, Löwe - Markus, Stier - Lukas, Adler - Johannes.

Das Kreuz lädt in seiner Schlichtheit zum Meditieren ein. In der Mitte ist ein Weinkelch, an den Seiten Weizenähren zu sehen, die auf das Abendmahl hinweisen. Die zwölf Perlen , die um das Kreuz herum angeordnet sind, stehen einerseits für die Jünger Jesu, andererseits können sie auch als Symbol für das neue himmlische Jerusalem gedeutet werden.